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Spannende Story als Hörspiel

Haiger, 23.11.2012.

Füchse gelten gemeinhin als ganz besonders neugierige Lebewesen. Das gilt sowohl für die vierbeinigen, roten Waldbewohner, als auch und insbesondere für die gar nicht mal so tierischen "Lesefüchse" der Haigerer Johann-Textor-Schule.

Dass die jugendlichen Teilnehmer der Projekt-AG nicht nur wissbegierig, sondern auch im besonderen Maße schauspielerisch begabt und kreativ sind, haben zehn von ihnen jetzt mit den Aufnahmen einer Hörspiel-CD unter Beweis gestellt. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Der Rahmen erinnert an Agatha Christie. Ein abgelegenes Berghotel, das nur mittels Seilbahn zu erreichen ist. Eine mysteriöse Einladung, die an alle Beteiligten verschickt wurde. Man lernt sich kennen und mögen und dann plötzlich ein erster Mord. Alle sind verdächtig  egal ob Hausmeister, Partygast oder Liebesgespielin des Polizisten.

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Die grobe Handlung von "Mord am grauen Mann" könnte simpler nicht sein, doch die Schülerinnen und Schüler der "Lesefüchse" der JTS haben dem ursprünglichen Theaterstück durch die Umwandlung in ein anderes Medium neue Impulse entlockt: Der "Mord am grauen Mann" ist in der Interpretation der Jugendlichen ein Hörspiel.

Ursprünglich angefangen hat das jahrgangsübergreifende Angebot der Pädagogischen Mittagsbetreuung damals als reine Lesegruppe. Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 stellten sich gegenseitig ihre Lieblingsbücher vor oder organisierten Autorenlesungen. So waren beispielsweise schon der Fantasybuchautor Christoph Hardebusch oder Bernd Perplies zu Gast.

"Es geht mir nicht nur darum Lesefähigkeit und -fertigkeit zu vermitteln, sondern insbesondere auch darum, den Spaß am Lesen zu wecken", erklärt "Oberfuchs" und Deutschlehrer Steffen Wendland. Für Wendland, selbst erklärter Hörbuch und spielfan, war es nahe liegend ein solches Projekt in Angriff zu nehmen. So realisierten die "Füchse" innerhalb von zwei Jahren die Vertonung von Tolkiens Fantasyauftakt "Der kleine Hobbit".
"Diesmal wollten wir etwas anderes machen", erzählen die "Lesefüchse". "Wir wollten weg vom Fantasy und einen waschechten Krimi umsetzten", führt Jan-Willem aus. Die ersten Erfahrungen hatte man mit dem "Hobbit" schon gesammelt, nun musste also nur noch ein besseres Mikrofon her und die Arbeiten konnten beginnen. Etwa ein Jahr lang werkelten die "Lesefüchse" jeden Montag zwei Schulstunden an dem Stück. Noch ist es nicht ganz fertig, einige kleine Schnittabreiten müssen noch erledigt werden. Das Gros der "Lesefüchse" bei der aktuellen Produktionsetzt sich aus Gymnasialschülern zusammen. "Es ist leider so, dass bei vielen Jugendlichen Lesen als uncool gilt", klagt Wendland. Ein Großteil habe zudem andere Interessen.

Beim "Mord am grauen Mann" sei das eigentliche Text lesen regelrecht zum Werkzeug geworden, wie Wendland beschreibt. "Es war zwar nötig, um die Geschichte zu erzählen und zu verstehen, aber vieles haben die Schüler auch so eingebracht." Teilweise habe man regelrecht improvisiert, sagt auch Jan-Willem, der in einer Doppelrolle den Hausmeister Toni und Sven, einen der Gäste spielt. "Am Anfang fiel es mir sehr schwer, frei zu reden und mich vom Text zu lösen. Irgendwann hat man ihn dann weggelegt und einfach gespielt." Wiederum anderen fiel das "Schauspielern im Kleinen" nicht sonderlich schwer. Diana beispielsweise hatte bereits Erfahrungen in der Theather-AG gesammelt. "Ich habe mich schnell in meine Rolle rein gefunden", erzählt sie.

Auch etwas, was manchen Jugendlichen schwer fällt - vor anderen Emotionen zu zeigen, wenn sie auch nur gespielt sind - habe ihr sehr viel Spaß gemacht - das hört man auch an ihrem Schrei, der durch Mark und Bein geht, als ihr Charakter die erste "Leiche" findet.
"Bei uns wird niemand ausgelacht", sagt Wendland sichtlich stolz auf seine "Lesefüchse": "Natürlich ist bei solchen Aktionen eine gewisse Scheu immer dabei. Doch schnell merken die Schüler, dass man miteinander und nicht übereinander lacht." Böses, gehässiges Auslachen gibt es bei den sympathischen "Lesefüchsen" nicht. Die AG richtet sich zwar insbesondere an begeisterte Leser, allerdings können auch andere gerne vorbeischauen. "Wir hatten schon Teilnehmer, die massive Probleme mit dem Lesen hatten. Doch während ihrer Zeit bei uns haben sie gelernt besser zu lesen und auch den Spaß daran kennen gelernt", sagt Lehrer Wendland.

Obwohl Wendland sich derzeit noch in der PostProduktion von "Mord am grauen Mann" befindet, planen die "Lesefüchse" schon das nächste Hörspiel: "Das Gespenst von Canterville". "Wir wollen jedoch nicht jedes Jahr ein neues Stück produzieren, sondern immer nur dann, wenn die Jugendlichen selbst auch Lust darauf haben. Wenn die Sache zum Zwang wird, dann macht alles keinen Spaß mehr", erklärt Wendland. Und den Spaß, dass ist klar, denn will den "Lesefüchsen" niemand nehmen.

Das aktuelle Hörspiel "Mord am grauen Mann" kann gleich nach Abschluss der Schnittarbeiten in der Mediothek der Johann-Textor-Schule ausgeliehen werden. Wer sich bereits vorab einen Eindruck von den Fähigkeiten der "Lesefüchse" machen möchte, kann sich dort auch den "Hobbit" ausleihen.
 

(Mit freundlicher Genehmigung des Haigerer Kuriers, Text und Foto: Röder.)

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