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Freundschaft mit Leben füllen

Haiger, 02.10.2012.

Nachdem der erste Kontakt im Mai im Elsass noch von verständlichen Unsicherheiten begleitet war, zeigte sich bei der Ankunft des französischen Busses in Haiger ein ganz andere Stimmung: Lauter Jubel und Umarmungen prägten die Begegnung. Nach dem gegenseitigen Beschnuppern waren sich die Jugendlichen näher gekommen. 31 französische Schüler der achten Klasse des Collège Georges Martelot in Orbey besuchten jetzt ihre deutschen Austauschpartner an der Johann-Textor-Schule in Haiger.

Schüler des Collège Georges Martelot zu Gast in der Johann-Textor-Schule

Die Französischlehrer Gunhild Lauber und Ralf Kaczerowski begleiteten den Austausch, bei dem es nicht nur darum geht, die jeweils fremde Sprache anzuwenden, sondern auch einen Einblick in Leben und Kultur des Austauschlandes zu bekommen.

Diesen Kontakt hatte die pädagogische Leiterin der Johann-Textor-Schule, Anette Fritsch, 2006 ins Leben gerufen. Sie hob die besondere Be deutung des Einsatzes der Schüler und ihrer Familien für die deutsch-französische Freundschaft hervor.

Vor ziemlich genau 50 Jahren hatte De Gaulle an die deut sche Jugend appelliert, engere Bande mit Frankreich zu knüpfen. Von ihm und Konrad Ade nauer stammt die Vision einer deutsch-französischen Freundschaft, aus der heraus die Einheit Europas wachsen könne. Zur Feier des 50. Jahresta ges dieser Rede forderte der französische Präsident François Hollande auf, diesem europäischen Traum Wirklichkeit und Zukunft zu verleihen. Genau das haben die jungen Menschen aus Haiger und Frankreich jetzt ganz praktisch mit Leben gefüllt.

Die französischen Schüler erlebten eine Führung durch die Johann-Textor-Schule, nahmen am Unterricht ihrer Austauschpartner teil und stellten ihre bisherigen Erfahrungen in der Sprache des Partners dar. Abschluss dieses ersten Tages an der Schule war ein Essen in der Mensa, das vom Mensateam sehr liebevoll vorbereitet worden war.

Bei ihrem Besuch hatte die Haigerer Gruppe das durch den Rhein geprägte Straßburg besucht. Die französischen Schüler lernten nun mit Köln eine weitere rheinische Stadt kennen. Besonders beein druckte sie die Stadtführung in Wetzlar, die den Werther-Stoff lebendig werden ließ. Anschließend sagten sie zu ihrem Lehrer Marc Bolzer: „Oh, Monsieur, hier haben wir wirklich etwas gelernt.“

Eine Erkundungstour durch Marburg warf Schlaglichter auf die Märchen der Gebrüder Grimm, die auch in Frankreich bekannt sind. Krönender Abschluss war ein Abschiedsfest, für das die Gastfamilien ein üppiges Buffet hergerichtet hatten. Beim anschließenden Tanzen konnte man keinen Unterschied mehr zwischen Deutschen und Franzosen feststellen. De Gaulle und Adenauer hätte es wohl gefreut.

Zurück in der Schule in Orbey überraschte Marc Bolzer, dass ihn Schüler wiederholt spontan auf Deutsch ansprachen. So etwas habe er vorher noch nie erlebt. „Man merkt, die Lust auf die deutsche Sprache ist gewachsen.“

(Mit freundlicher Genehmigung des Haigerer Kuriers, 02.10.2012, Text: ma.)

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