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Lehrreiche Zeitreise ins Mittelalter

Gutenberg-PresseHaiger, 01.11.2018.

Auf großes Interesse der Schüler stieß die historische Gutenberg-Presse, die den Klassen 5 und 6 der Johann-Textor-Schule vorgestellt wurde. Der Fachbereich Religion hatte den Besuch von Bernd Schlawer und seiner Frau organisiert. Schlawer schilderte die Geschichte des Schreibens und zeigte viele Ausstellungsstücke, die von den SchülerInnen erkundet werden konnten. Jedes Kind durfte die Druckerpresse selbst bedienen und den 23. Psalm ausdrucken. Zudem bekamen die Schüler noch viele Informationen über Martin Luther und die Bedeutung der Druckkunst für die Verbreitung der Reformation.

„An der Presse wirken Kräfte von etwa 500 Kilo“, berichtete Bernd Schlawer. Der Experte aus Eschede ist seit 15 Jahren mit der Druckerpresse unterwegs und hat vermutlich jede Frage schon einmal gehört. Deshalb kann er locker plaudernd erklären, dass die Farbe in Gutenbergs Tagen mit einem Stempel auf die Druckplatten aufgetragen wurde, der aus Hundeleder gefertigt ist. Um 1450 waren die Experimente von „Johannes Gensfleisch zur Laden“ (genannt Gutenberg) so weit fortgeschritten, dass er mit dem Druck einzelner Blätter beginnen konnte. Die Presse, Metalllegierungen und die Typen stellte der um 1400 in Mainz geborene Patriziersohn selbst her.

Zwischen 1452 und 1455 entstand in Gutenbergs Werkstatt das erste Buch: Eine Bibel in lateinischer Sprache. Sie wurde rund 180 Mal gedruckt und kostete 60 Gulden, was heute einer Kaufkraft von etwa 35.000 Euro entsprechen würde. Schlawer berichtete von riesigen Bibeln, die in der Kirche festgekettet waren, und anderen Bibeln, die die Christen in einem Beutel ständig mit sich herum trugen. Zudem erklärte er die Funktionsweise der ersten Spindelpresse, deren Funktion sich Gutenberg bei den Weinbauern „abgeguckt“ hatte. Wesentliches Element waren die beweglichen Metalllettern, die in Europa eine Medienrevolution auslösen sollten.

Auch auf Luthers Theologie geht Bernd Schlawer ein und berichtet von den im Mittelalter bekannten „Ablassbriefen“, nicht ohne ein bekanntes Gedicht zu zitieren: „Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“. Interessante Information am Rande: 1999, über 500 Jahre nach seinem Tod, wurde der Mainzer Gutenberg zum „Mann des Jahrtausends“ gekürt. Zu Lebzeiten war er weniger erfolgreich - und reich schon gar nicht. Der Erfinder des Buchdrucks starb finanziell ruiniert und vergessen 1468. (fra)

(Mit freundlicher Genehmigung von Haiger heute, 01.11.2018.)

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