StartArchivArchiv 2008Das Internet als "Poesiealbum der Neuzeit"

Das Internet als "Poesiealbum der Neuzeit"

Zahlreiche Eltern interessierten sich für das ThemaEltern seien oft überfordert und arbeiteten sich selten in das Problem ein. Die Folge: "Kinder und Jugendliche bewegen sich im World-Wide-Web vollkommen frei und ohne Beschränkungen." Auch hier liege die Verantwortung der Eltern, sagte der Leiter der Fachstelle für Suchtprävention im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Kinder und Jugendliche seien sehr versiert im Umgang mit den neuen Medien. Inhalte aus dem Internet könnten beliebig vernetzt werden - vom Computer über das Handy zum MP3-Player.
Den Umgang mit diesen Medien brächten sich die Jugendlichen selbst bei. Eine Vermittlung von Medienkompetenz finde in Hessen aber leider kaum statt. Andere Bundesländer seien in dieser Hinsicht schon deutlich weiter, bemängelte Graf.
Jugendliche benutzten heute zahlreiche Kommunikationskanäle. "Zu meiner Zeit gab es nur Telefon", sagte Graf. Heute gebe es Chats, "Instant Messenger", SMS-Botschaften oder elektronische Post. Der Vorteil solcher Kommunikationskanäle sei die Tatsache, dass sie von den Eltern nicht mitverfolgt werden könnten. Dazu komme das sogenannte "Web 2.0", in dem die Benutzer selbst Inhalte über das Internet kommunizieren könnten. Beispiele dafür seien das Video-Portal "YouTube", "Wikipedia" oder "schülerVZ". Gerade solche Plattformen seien "Poesiealben der Neuzeit".
Die erhöhte Interaktion im Netz verstärke zwar die Mitgestaltung jedes Einzelnen, bringe jedoch auch Gefahren mit sich. "Zu oft werden Jugendlichen dazu verleitet, persönliche Daten preis zu geben", warnte Graf. Bei Videos und Bildern stelle sich ebenfalls die Frage der Urheberrechte, über die sich Jugendliche kaum Gedanken machten: "Ein Missbrauch kann ganz schön teuer werden!"
Auch Chatrooms, in denen mehrere Benutzer gleichzeitig miteinander kommunizieren, seien nicht immer unbedenklich, da sich dort oft sexuell geprägte Gespräche entwickelten. "Und wer da auf der anderen Seite ist, wissen die Jugendlichen nicht", machte Graf deutlich. Es sei bekannt, dass sich Erwachsene im Chat oft als Jugendliche oder Kinder ausgäben.
Graf bat die Eltern und Lehrer, mit den Jugendlichen zu reden und sie über die negativen Aspekte des Internets aufzuklären.
(Haigerer Kurier , 29.10.2008, Text und Foto: mg)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 11. April 2012 21:21

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