StartArchivArchiv 2012"Haiger braucht Teamplayer, keine Stars"

"Haiger braucht Teamplayer, keine Stars"

Haiger, 22.06.2012.

"Hormone rauf und Noten runter - die Briefe wurden immer bunter", so reimten Stefanie Oerter, Manuela Görg und Markus Bauermann augenzwinkernd und humorvoll über ihre Schützlinge. Und das Trio musste es schließlich wissen, schließlich unterrichtete es die drei abgehenden Realschulklassen (10R1, 10R2, 10R3) der Haigerer Johann-Textor-Schule - immerhin 68 Jugendliche - schon seit geraumer Zeit.

Auch Charlotte Krämer (9H2) und Dr. Hans Rupp (9H1) fanden die passenden Worte, um die 37 von ihnen unterrichteten, abgehenden Hauptschüler aus dem schulischen Alltag zu entlassen: "Ihr habt bewiesen, dass man sich auf Euch verlassen kann!" Zusätzlich zu den 105 Textor-Schülern wurden am Mittwochabend (20. Juni) in der Haigerer Stadthalle noch fünf Hauptschüler der Haigerer Budenberg-Schule verabschiedet, die seit einigen Jahren in einer Kooperation mit der JTS den Hauptschulabschluss anbietet.

Die Jahrgangsbesten Samuel Janek, Sabrina Becker, Ida Hörnig und David Möck (von links) wurden von Robert Kroha (l.) und Johannes Brombach (r.) ausgezeichnet.Vier Jugendliche stachen durch ihre Leistungen besonders hervor. Sabrina Becker und Samuel Janek schafften das "kleine Abi", den Realschulabschluss, mit einer Endnote von jeweils 1,7. Der Gesamtdurchschnitt aller Schüler lag bei 2,6. Ida Hörnig und David Möck beendeten die Hauptschule mit der Endnote 1,5. Hörnig, die "gar nicht mit dem Ergebnis gerechnet hatte" und völligüberrascht auf die Bühne kam, wird auf eine berufliche Schule wechseln. Möck freut sich bereits auf seine Ausbildung als KfZ-Mechatroniker bei einem Siegener Betrieb.

Die Zukunftspläne der beiden stehen stellvertretend für ihre Klassenkameraden: 31 Realschüler werden weiter die Schule besuchen, während 43 Prozent einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben. Von den Hauptschülern haben sieben eine Lehrstelle in Aussicht. Die restlichen Teenager gehen größtenteils auf weiterführende berufliche Schulen.

Die relativ geringe Abgängerzahl hänge damit zusammen, dass es in diesem Jahr keine zehnten Gymnasialklassen gebe, erklärte Schulleiter Dr. Gerald Lohwasser. "An den Aussagen aus dem Kultusministerium und der derzeitigen Debatte zeigt sich, dass unser Wechsel von G9 zurück zu G8 so falsch nicht gewesen sein konnte."

Den entlassenen Schülern wollte Lohwasser besonders eines mit auf den Weg geben: "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir", bemühte er einen Spruch des römischen Philosophen Seneca und fügte hinzu: "Ich hoffe, es ist uns gelungen, nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch soziale weiterzugeben." Die Jugendlichen, die er fünf, beziehungsweise sechs Jahre, begleitete habe, seien freilich in einem "nicht immer ganz einfachen Alter" gewesen. Immer mal wieder sei die Pubertät durchgeschlagen. "Doch aus den kleinen, schüchternen Zehnjährigen sind selbstbewusste, junge Erwachsene geworden."

Auch der Schulelternbeiratsvorsitzende Hartmut Jaeger, gab den Abgängern seinen Segen mit auf dem Weg. "Ihr habt ein Etappenziel erreicht", meinte er und appellierte an die Haupt- und Realschüler: "Lasst Euch nicht leben, lebt!" Auch sollten die jungen Erwachsenen dem Trend entgegen wirken, immer der Beste sein zu müssen. "Euer Mottosoll nicht sein: 'Deutschland sucht den Superstar'. Haiger braucht nicht den einzelnen Star, sondern Teamplayer."

Egal ob musikalisch ("Conquest of Paradise") mit einem Gedicht ("Ode an Frau Oerter") oder mit einer Mischung aus beidem ("Rada rada"), die Haupt- und Realschüler bewiesen Humor.Für die Schülerschaft sagte Schulsprecherin Nina Löhl unter großem Beifall: "Jeder hatte Höhen und Tiefen. Wir haben gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Wir sind nun am Ende eines Lebensabschnittes angekommen und gleichzeitig am Start von etwas Neuem."

Die Grußworte und Reden wurden immer wieder von einem bunten Programm aufgelockert, das die Schülerschaft auf die Beine gestellt hatte. Neben musikalischen Einlagen - "Conquest of Paradise" wurde zum Beispiel mit Querflöte und afrikanischer Percussion dargeboten - gab es auch Gedichte ("Ode an Frau Oerter") und Sketche.

Die, die am meisten mit den 110 Schülern zu gehabt hatten, die Klassenlehrer, bekamen von ihren Schützlingen dann auch den Lohn für ihre Mühen: Stehende Ovationen und Präsente von Schülerseite gab es für jeden der Fünf. Die Reime "Pythagoras, was soll ich mit dir - mich interessiert: Wer geht mit wem" und "Zickenkrieg gehört dazu - sich wild beschimpfen per icq", kamen dann auch genau so an, wie sie gemeint waren: Humorvoll und positiv trafen sie die Ohren der Teenager, die nun vor einem neuen Lebensabschnitt stehen - und auch diesen meistern werden.
 

(Mit freundlicher Genehmigung des Haigerer Kuriers, 22.06.2012, Text und Fotos: Röder.)

Zuletzt aktualisiert am Montag, 25. Juni 2012 15:44

Zum Anfang